nach einer Idee von Werner, DF8XO
Es ist immer wieder schön, wenn Anwender des Funkpapageis auf Ideen kommen, die ich als Entwickler nie gehabt hätte...! Seit Jahren schwebt mir vor, auf der Basis der Papageien-Hardware auch mal eine Steuerung für ein "normales" (FM-) Relais zu realisieren, denn eigentlich ist ja schon so ziemlich alles da, was man braucht - bis hin zur potentiellen Möglichkeit der Sprachausgabe für Begrüßung, Call, Infos usw.
Hauptsächlich müsste dafür eine neue Firmware entwickelt werden, die die Besonderheiten dieses Betriebes berücksichtigt. Auch auf der Anschluß-Seite, an der (NF-) Schnittstelle zu Sender und Empfänger, werden naturgemäß Modifikationen nötig sein. Wenn ich doch nur mehr Zeit hätte... ;-)
Wie gesagt, diese Idee schlummert seit Jahren in der Schublade. Aber erst Werner, DF8XO, erkannte, daß es zumindest hinsichtlich der Grundfunktionen auch jetzt, mit dem Original-Papagei, schon geht: Mit ganz simplen Tricks hat er ihn entsprechend "zweckentfremdet"! Ich möchte Euch seine Idee nicht vorenthalten, es handelt sich zumindest um eine interessante und gut funktionierende Übergangslösung.
Hier das Prinzip von Werners Lösung:
Papagei, Sender und Empfänger werden gemäß Blockschaltbild (rechts) miteinander verbunden, die gestrichelte Verbindung eingeschlossen. Wohlgemerkt, es handelt sich um ein Blockschaltbild zur Verdeutlichung der prinzipiellen Signalflüsse - die Verbindungen sind also nicht zwangsläufig als direkte Drahtverbindungen zu interpretieren! Je nach Pegel- und Impedanzverhältnissen bei den NF- Ein- und Ausgängen werden Widerstände oder Spannungsteiler zur Anpassung unabdingbar sein, auch Koppelkondensatoren können ggf. nicht schaden. Je nach SQ-Polarität mögen ferner an bestimmten Stellen Inverter erforderlich sein.
Der Papagei muß vorher als solcher in Betrieb gewesen sein, d.h. der Umgang damit muß bekannt sein, und richtige Grundinitialisierung incl. passender SQ-Polarität wird vorausgesetzt.
Und jetzt kommt der eigentliche Trick: In Modul 1 wird eine ganz kurze Aufzeichnung (ein kurzer Piep o.ä.) vorgenommen und nach dem Abfallen mit Funktion A600 (siehe Sysop-Handbuch) gegen weitere Änderungen geschützt (eingefroren). Diese Aufzeichnung tritt dann im Relais-Betrieb als (unvermeidlicher) "Roger-Piep" in Erscheinung. Wenn man keinen solchen will, muß man halt nur "eine möglichst kurze Stille" aufzeichnen. Evtl. kann man noch, um die Abläufe flotter zu bekommen, die Zeiten TXDELAY und RPDELAY (siehe Handbuch) heruntersetzen. Das ist auch schon alles!
Zu den Funktionsabläufen lassen wir Werner selbst zu Wort kommen:
Sieht zwar auf den ersten Blick komisch aus, aber mit der gestrichelten Linie funktioniert das Relais im Moment als "Transponder" mit dem Papagei als Rufzeichengeber. Die SQL des Empfängers steuert direkt die PTT des Senders.
Drücke ich den Tonruf, geht der Papagei auf, telegrafiert das Rufzeichen, spricht "DB0LBI Bielefeld", und der Träger fällt ab. (Modus 0, d.h. 20s Sprechzeit plus Begrüßungstext). Das Sprachmodul ist mit einer ganz kurzen Nachricht eingefroren. Wird ein Signal auf der Eingabefrequenz empfangen, schaltet die SQL über die gestrichelte Linie den Sender ein. Diese Leitung sollte in einer "endgültigen" Version durch Software ersetzt werden. Fällt der Träger ab, sendet der Papagei die eingefrorene (kurze) Nachricht, sozusagen als ungewollten Roger Piep.
Eine brillante "Zweckentfremdung" - auf so eine Idee muß man erstmal kommen!
Unschön ist natürlich, daß es (soweit ich die Sache überblicke) keinen echten "unaufgetasteten" Zustand gibt. Auch gibt es keine konfigurierbare Abfallzeit, während derer der Träger noch über das eigentliche Empfangssignal hinaus stehen bleibt. Ferner fehlt auch eine wirkliche Fernabschaltmöglichkeit, so daß der Betrieb grundsätzlich nur unter Aufsicht erfolgen sollte. Als Dauerlösung ist die Idee deshalb weniger gut geeignet. Als experimentelle Übergangslösung hingegen besticht sie durch ihre "geniale" Einfachheit. Dafür ein herzliches Dankeschön an Werner, DF8XO!
73, Manfred, DL7AWL