Diese Information kann vom Relais-Betreiber an die potentiellen Benutzer seiner Relaisfunkstelle weitergegeben oder in entsprechende Publikationen, Rundsprüche usw. übernommen zu werden. Vervielfältigung, Weitergabe und Veröffentlichung - nur sinnwahrender Form! - sind ausdrücklich erlaubt.
von Manfred Reimer, DL7AWL
Jede Relaisstelle muß ihre Ein- und Ausgabe "irgendwie" trennen, da sie andernfalls nur mit sich selbst beschäftigt wäre (Rückkopplung!). Nirgends aber steht geschrieben, daß es sich, wie bei üblichen FM-Relais, unbedingt um eine frequenzmäßige Trennung (bei zeitgleicher Ein- und Ausgabe) handeln muß. Umgekehrt ist auch eine zeitliche Trennung bei frequenzgleicher Ein- und Ausgabe denkbar. Eine solche Anordnung eines "Simplex-Relais" wird, da sie jeden Durchgang zwischenspeichert und zeitversetzt wiederholt, oft treffend als "Funkpapagei" bezeichnet (nicht zu verwechseln mit einer Sprachmailbox). In FUNKAMATEUR Heft 3 u. 4 /96 habe ich gezeigt, wie ein solcher Funkpapagei dank eines unkonventionellen Konzepts mit extrem wenig Aufwand realisiert werden kann - trotz beachtlicher Features.
An dieser Stelle möchte ich den Anwendern einige Hinweise und Tips zur Benutzung geben. Ich gehe dabei von einer typischen "durchschnittlichen" Konfiguration des Papageis aus. Da dem Betreiber (Sysop) eine Vielzahl von Optionen offensteht, mag es jedoch im Einzelfall vorkommen, daß die Relaisstelle sich in Teilaspekten anders verhält als hier beschrieben.
Der Papagei ist, wie jedes Relais, im Ruhezustand inaktiv, so daß übrigens auf seiner Frequenz auch normale Simplex-QSOs möglich sind. Erst nach dem Auftasten mittels 1750-Hz-Ton meldet er sich mit seiner CW-Kennung - und ggf. auch einer kurzen "verbalen" Vorstellung. Sofern vom Betreiber aktiviert, wird außerdem noch jeweils eine Sprechaufforderung, z.B. ein Morse-K ("dadidah") gesendet.
Danach ist wieder Ruhe - der von einem normalen FM-Relais gewohnte Dauerträger fehlt hier. Trotzdem ist der Papagei jetzt "geöffnet" und steht für seine eigentliche Aufgabe, nämlich das Wiederholen aller empfangenen Durchgänge, zur Verfügung.
Wie jedes andere Relais arbeitet der Papagei also, einmal aufgetastet, innerhalb der Abfallzeit rein trägergesteuert. Und wie jedes andere Relais fällt er wieder ab (wird inaktiv), wenn er eine Zeitlang nichts mehr empfängt. Da das "Abfallen" nicht wie bei einem normalen Relais durch Trägerwegfall erkennbar ist, wird es durch nochmaliges alleiniges Aussenden der CW-Kennung - eventuell mit abfallender Tonhöhe als Erkennungsmerkmal - signalisiert.
Wie es sich gehört, wird auch während des Betriebes gelegentlich die Kennung eingestreut. Aber auch im passiven (abgefallenen) Zustand macht der Papagei ab und zu, je nach Konfiguration z.B. alle 10 Minuten, durch seine Kennung auf sich aufmerksam (Bakenfunktion). Er ist aber höflich und macht das nur, sofern die Frequenz nicht anderweitig belegt ist.
Durchgänge dürfen bis zu 20 (ggf. 40) Sekunden lang sein. Überlängen werden bei der Wiederholung einfach abgeschnitten. 20 Sekunden mögen sehr kurz erscheinen, doch haben wir bei unseren Tests nach einiger Eingewöhnung diese Zeit als optimal empfunden: Der Zwang zum "Fasse Dich kurz" erlaubt trotz der sequentiellen Arbeitsweise einen angenehm flotten QSO-Ablauf, so daß man beinahe vergißt, über einen Papagei zu arbeiten. Längere Sprechzeiten hingegen bedeuten auch längere Wartezeiten beim Partner - das QSO wird dann schwerfällig und fällt auseinander.
Unabhängig von der Länge eines Durchganges beginnt die Wiederholung immer direkt nach dessen Ende: Es muß also weder starr die Maximal-Sprechzeit abgewartet werden, noch wird bei überlangen Durchgängen vorzeitig mit der Wiederholung begonnen.
Anfangs erscheint die erforderliche Betriebstechnik sehr umständlich und gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich einige Besonderheiten bewußt macht, die sich aus der Papageien-Arbeitsweise zwangsläufig ergeben, kommt man schnell zurecht.
Je nachdem, ob man den QSO-Partner auch direkt hört oder nur über den Papagei, sind unterschiedliche "Mißverständnisse" möglich:
Hört man sich auch direkt, so ist man geneigt, sofort, also schon auf die Eingabephase, zu antworten, anstatt erst das Echo vom Papagei abzuwarten. Man "doppelt" dann mit dem Papagei, welcher aufgrund des Standortvorteils meistens gewinnt, und überdies, weil er ja selbst gerade sendet, in dem Moment auch überhaupt nicht aufnahmebereit ist. Hier hilft vielleicht das besagte "dadidah" als Zeichen, daß man "darf".
Hört man sich dagegen nicht direkt - und erst dann ist der Papagei als echte Kommunikationshilfe ja wirklich reizvoll -, besteht die Möglichkeit der "Eingabekollision": Beide Partner halten, da sie einander nicht hören, die Frequenz für frei und sprechen los. Der Papagei wiederholt das Kauderwelsch, aber obwohl die Partner jetzt ihren "Fehler" erkennen, besteht immer noch Verunsicherung, wer als nächstes sprechen soll.
Prinzipiell besteht bei jedem Papageien-QSO eine solche Anfälligkeit, aus dem Rhythmus zu geraten - und viel schwerer wieder zu "synchronisieren"...
Um es gar nicht erst dazu kommen zu lassen, empfiehlt sich in Zweier-QSOs striktes Abwechselnd-Sprechen (...vielleicht mit der einen Ausnahme, daß nach einem versehentlich zu lang geratenen und daher vom Papagei unvollständig wiederholten Durchgang der gleiche Sprecher nochmal darf, um seinen Durchgang zu beenden). Übertragen auf QSO-Runden mit mehr als zwei Teilnehmern bedeutet das: Es ist fast unerläßlich, am Ende eines Durchganges das Mikrofon gezielt an einen bestimmten Partner weiterzugeben.
Soweit die Idealvorstellung - aber niemandem gelingt es bekanntlich, sich perfekt zu verhalten. Und selbst wenn - auch andere Ereignisse, wie z.B. das Hereinmelden eines neuen QSO-Teilnehmers, können die Synchronisation außer Tritt bringen, und manchmal entsteht unversehens ein herrliches Chaos!
Man sollte das einfach akzeptieren und mit gelegentlichen Kollisionen leben. Am besten löst sich eine solche Situation wieder auf, wenn man die Ruhe behält und erstmal abwartet. Ein Trick in einer solchen unklaren Situation ist der "PTT-Test": Man drückt nach einiger Zeit einmal kurz die PTT und nennt nur schnell sein Call, weiter nichts. Bleibt das unmittelbare Papageien-Echo aus, so weiß man, daß gerade jemand anders spricht und Abwarten angesagt ist (vorausgesetzt der Papagei ist offen). Ein sofortiges Echo verweist dagegen auf eine freie Frequenz. Zur Vermeidung neuer Mißverständnisse sollte nun derjenige sprechen, dessen PTT-Echo vom Papagei wiederholt wurde.
Ähnlich sollte vorgehen, wer neu in ein laufendes QSO aufgenommen werden möchte: Zunächst nur ganz kurz anmelden - dann aber warten, bis man zum Sprechen aufgefordert wird.
Übrigens: Sollte der Eindruck entstehen, daß bei den Wiederholungen des Papageis mitunter der Anfang fehlt, so könnte dies an einem aktiven Batteriesparmodus auf Empfangsseite (d.h. "zerhackte" statt kontinuierliche Empfangsbereitschaft) liegen...!
Neben der normalen Papageien-Funktion; die ohne DTMF auskommt, kann der Betreiber auch noch einige per DTMF abrufbare Sonderfunktionen freigeben. Üblicherweise sind das folgende:
Eine weitere Sonderfunktion ist das "Auftasten für Insider" - nämlich mit einem extra langen Rufton (>3 s). In diesem Fall wird der normale Begrüßungstext (sofern vorhanden) weggelassen. Viel-Nutzer, die ihn schon in- und auswendig kennen, werden mir hierfür dankbar sein...
Außerdem kann der Sysop optional auch ein "alternatives Auftasten" mittels DTMF 1 freigeben. Dabei wird jedoch die Dauer des Tastendrucks nicht ausgewertet.
Soweit die "anwenderbezogene" Seite. Einige Infos für den technisch interessierten Nutzer sollen jedoch nicht fehlen.
Die am meisten gestellte Frage: Wie funktioniert die Sprachspeicherung? Nun, als ich den Papagei zu entwickeln begann (Ende ´94), waren ISD-Chips zur Analogspeicherung noch recht teuer und deshalb nach meinen Vorstellungen undiskutabel. Digitale Speicherung mit AD/DA-Wandlern schied aufwandsbedingt erst recht aus. Stattdessen wagte ich, handelsübliche, billige, schaurig klingende "Digital-Memos" in Scheckkartengröße zu zerlegen, das Innenleben zu analysieren und für unseren Zweck nutzbar zu machen. Der Erfolg hinsichtlich der Sprachqualität übertraf alle Erwartungen. Wie aus den Memos briefmarkengroße Sprachspeicher-Steckkärtchen hergestellt werden, habe ich dann in der erwähnten FUNKAMATEUR-Serie beschrieben.
Rein äußerlich ist der Papagei ein nur gut streichholzschachtelgroßes Zusatzplatinchen, anzuschließen an (fast) jeden Transceiver, mit nur 2 ICs, sowie bis zu 4 Sprachspeichermodulen für je 20 Sek. Sprechzeit.
Ein Blick auf die wichtigsten Features (siehe unten) läßt auf eine intelligente Steuerung schließen, deren Flexibilität und Funktionsvielfalt weit über das Notwendige hinausgeht. In der Tat hat die Steuersoftware des unscheinbaren 18poligen Microcontrollers eine beachtliche Komplexität erreicht (aufgelistet über 30 engbedruckte DIN A4-Seiten!).
Wer sich für weitere Einzelheiten interessiert oder den Papagei nachbauen möchte (Materialaufwand unter 100,- DM), sollte meine WWW-Seiten besuchen: http://www.qsl.net/dl7awl
73 und viel Spaß von Manfred, DL7AWL
Anmerkung: Angaben in roter Schrift beziehen sich auf konfigurierbare Werte und geben normale Standard-Einstellungen wieder. Veränderungen durch den Betreiber sind möglich.